Eine Freundschaft im Zeichen des Spargels
Die Freundschaft zwischen der italienischen Gemeinde Mezzago in Italien, im Herzen der Lombardei zwischen Monza und Bergamo gelegen, und der deutschen Gemeinde Reilingen, im Herzen der Kurpfalz, wird seit 17 Jahren durch die Begegnungen von Menschen beider Städte getragen, stellte Bürgermeister Stefan Weisbrod beim offiziellen Empfang der italienischen Gäste am Sonntag in der Mensa der Friedrich-von-Schiller-Schule fest.
Womit er den Nagel auf den Kopf traf, die 2009 besiegelte Freundschaft zwischen den beiden Kommunen fußt auf zahlreichen privaten Treffen auch abseits des offiziellen Programms. Weshalb sich Ehrenbürger Walter Klein, in dessen Amtszeit als Bürgermeister die Gründung der Partnerschaft vollzogen wurde, sowohl über viele bekannte Gesichter unter den Gäste als auch über zahlreiche Novizen freuen durfte.
Durchaus auch jung an Jahren, womit sich zeigt, dass die Freundschaft aus festen Füßen steht und von der nächsten Generation weitergetragen wird.
Gleiche Interessen
Schon die Anfänge der Freundschaft unterstreicht, dass sie auf festen Fundamenten, gebildet von gleichen Interessen, gründet, genauer gesagt auf dem Spargel, dessen Anbau beide Gemeinden pflegen. Während in der Po-Ebene der rosa Spargel angebaut wird ist es in der Kurpfalz der weiße. Voller Neugier hatten einige Spargelbauern aus Mezzago um die Jahrhundertwende nach einer Gemeinde in der Region um Karlsruhe gesucht, mit der man sich über den Asparagus-Anbau austauschen konnte. In den Suchmaschinen ploppte dabei immer wieder der Name von Reilingen auf und so nahm es nicht wunder, dass eines Tages fünf italienische Spargelbauern im Amtszimmer von Walter Klein saßen. Der Beginn einer Freundschaft, die mit der Gemellaggio im Juli 2026 einen weiteren Höhepunkt feierte.
Am Freitag ging es los
Angereist waren die Gäste aus der Po-Ebene schon am Freitag. Herzlich wurden sie in den Fritz-Mannherz-Halle von Vertretern der Gemeinde, ihren Gastfamilien und dem Verein Amici-Reilingen-Mezzago empfangen. Wer den Abend nicht bei seiner Gastfamilie verbringen wollte, konnte an einem Grillabend in der Lagerhalle eines Amici-Mitglieds teilnehmen – ein Angebot, das auf große Resonanz stieß.
Hockenheimring und Schlossgarten
Wie Jörg Weissmann, einer der Vorsitzenden der Amici, im Gespräch betonte, stand der Samstag im Zeichen der Gemeinsamkeit. Den Gästen wurde ein „fantastisches Programm“ vor der Haustür geboten, stimmte Weisbrod zu. So wurden sowohl der Hockenheimring als auch der Schwetzinger Schlossgarten besucht. Beides abseits ausgetretener touristischer Pfade. Im Motodrom durften die Gäste hinter die Kulissen der Rennstrecke blicken und auch eine Fahrt mit dem Bus über die Rennstrecke stand auf dem Programm. Im Schlossgarten wurde nicht nur ein Blick in die von Kurfürst Carl-Theodor geprägte Geschichte geworfen, sondern auch fundiert auf den Wandel eingegangen, den der Garten im Zuge der Klimaveränderung erlebt. Informationen en masse, die beim gemütlichen Ausklang des Tages im Biergarten des „Blauen Lochs“, ausgiebig erörtert wurden.
Gemeinsames Frühstück zum Abschluss
Am Sonntag stand dann das gemeinsame Frühstück in der Schulmensa an. Ein kalt-warmes Buffett mit badischem Einschlag, wie Mitorganisatorin Chrissie Geigle vom Rathaus betonte – Weißwurst und Brezeln fanden besonderen Anklang. Verantwortlich für den kulinarischen Genuss sorgte das Mensa-Team um Koch Alessandro unter der Regie von Sven Seiler, dem Leiter der kommunalen Betreuung. Wofür es herzlichen Beifall gab. Und es wurden Gastgeschenke ausgeteilt. So brachten die Gäste prächtige Maulbeerbäume, weiß und schwarz blühend, in die Gemeinde mit. Geschenke mit einer langen Tradition, wie Weissmann erläuterte. In beiden Gemeinden reicht die Anpflanzung der Maulbeerbäume rund 300 Jahre in die Geschichte und schon die Reilinger hatten bei ihrem Besuch in Mezzago Maulbeerbäume im Gepäck. Bäume, Spargel, die Gemeinsamkeiten zwischen den Kommunen gehen noch tiefer, so Weissmann. Beide sind von ähnlicher Struktur, erleben den Wechsel von der dörflichen hin zur mehr städtisch geprägten Kultur und liegen jeweils im Herzen ihrer Region. Vergleichbarkeiten, die Gemeinsamkeiten bestärken. Weshalb die Partnerschaft auf vielen Ebenen funktioniere, vom privaten Besuch bis hin zur jährlichen Teilnahme der Italiener am Reilinger Straßenfest oder dem Adventsmarkt. Stets mit kulinarischen Köstlichkeiten aus Italien, die in der Spargelgemeinde großen Anklang finden.
Die Jugend ist die Zukunft der Partnerschaft
Angeführt wurde die Delegation heuer von Bürgermeister Massimiliano Rivabeni und seinem Stellvertreter Lorenzo Macchiavelli. Und gespickt war die Gruppe mit zahlreichen Jugendlichen, was nicht nur Bürgermeister Weisbrod freute und ein gutes Zeichen für die Zukunft der Partnerschaft darstellt, da auch von Reilinger Seite Jugendliche teilnahmen. Vom Reilinger Gemeindeoberhaupt gab es zahlreiche Geschenke an die Gesichter der Gemellaggio. Allen voran Walter Klein, der 2009 die Partnerschaftsurkunde gemeinsam mit seinem italienischen Kollegen Antonio Colombo in Mezzago unterzeichnete. Für Bürgermeisterstellvertreter Lorenzo Macchiavelli gab es eine Grillschürze, denn, so Weisbrod, nichts zierte den Mann mehr.

Danach hieß es Abschied nehmen: Kurz nach zwölf Uhr setzte sich der Bus wieder in Richtung Italien in Bewegung.
Was bleibt ist die Vorfreude auf das nächste Treffen unter Freunden.





























